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Preisunterschied zu Markenwaren


By vurai - Posted on 29 October 2008

Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, heißt es in der Medienbranche und so wundert es kaum, dass diese Nachricht bis in die Hauptsendezeit gelangte: Die Stiftung Warentest, per Selbsteinschätzung zum Nörgeln verpflichtet, gab bekannt, dass "Schnäppchen" bei Discountern selten wirklich Schnäppchen sind.
Diese Neuigkeit verlangt eigentlich mehrere Ausrufezeichen. Wieder einmal wird der hilflose Medien-Konsument auf grausame Weise einer Illusion beraubt.
Eigentlich hätte man es schon ahnen können - kaum hat der Mensch seine Konsumfreude, früher recht hässlich als "Habgier" tituliert, befriedigt, geht es los. Irgendwer wird schon kommen, um uns die Freude am Besitz zu rauben - die seit neuestem grassierende Institution der moralischen Wegelagerer und notorischen Spaßvernichter. Wenn es keine ausdampfenden Chemikalien sind, sind es mindestens gesundheitsschädliche Nitrosamine, ist es der Feinstaub und wenn das nicht der Fall ist, wurde unser Erwerb auf umweltzerstörende Weise, unter menschenunwürdigen Bedingungen, ohne Befragung von Gewerkschaften oder durch Kinder hergestellt.

Im Fall der Stiftung Warentest gab es drei Argumente, die Schnäppchenjägern den Beutezug versauern sollen: Die Qualität ist oft so schlecht, dass dadurch der günstige Preis aufgewogen wird.
Die vermeintlichen Superschnäppchen sind gar keine, weil die Angebote mit derselben Regelmäßigkeit in die Geschäfte kommen, mit der dieselben Streifen von Jean-Claude van Damme oder Chuck Norris bei SAT.1 über den Sendern flimmern.
Zuletzt sind die Prüfer der Meinung, dass in diversen Fällen der Preisunterschied zur Markenware nicht so groß sei, der Käufer könne sich also durchaus auch in diese Richtung orientieren.
Bei genauerem Hinsehen kann der depressionsbedrohte Konsum-Freak aber wieder ein wenig aufatmen. Bei zumindest zwei Anbietern ist die Wahrscheinlichkeit, ein günstiges Angebot zu erhaschen wesentlich größer als die statistische Gefahr, den berühmten Griff in das Sanitärporzellan zu tun.
Zudem wird konstatiert, dass sich die Qualität der angebotenen Produkte stark verbessert habe, zumal die Anbieter sehr kulant mit Beschwerden umgingen.
Fazit: Der Mythos Schnäppchen hat Kratzer, ist aber noch nicht völlig demontiert. Das ist für unsere heutige Epoche der Entmythologisierung schon ein Erfolg.

Ein Faktor wurde bisher nicht angesprochen, obwohl er eine direkte Verbindung zur aktuellen Finanzkrise hat. Die Psychologie. Wir alle erinnern uns mit leicht angeekelter Freude an die TV-Berichte vom Beginn des früheren Sommer- oder Winterschlussverkaufes: Horden von Zweibeinern, die sich wie eine Lawine durch die gerade geöffneten Schleusen der Kaufhaustüren drängen. Von Nahkämpfen um den letzten Computer beim Discounter ganz zu schweigen.
Aber gierig? Nööö, das sind nur die Bankmanager und Hedge Fonds-Heinis. Der Normalbürger prügelt sich lediglich am Wühltisch.
Unter www.test.de können sich Unerschrockene mit dem Schnäppchen-Test näher befassen.