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Hans-Werner Sinn und der Vergleich zwischen Juden und Wirtschaftskrise


By vurai - Posted on 09 November 2008

Ende Oktober 2008 sprang Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Institutes, mit beiden Füßen in ein Fettnäpfchen, als er den Vergleich zwischen den "Juden" als Sündenböcke für die 1929er Wirtschaftskrise und der aktuellen Freude an Bankmanagerschelte zog. Am Folgetag entschuldigte sich der Wissenschaftler und versuchte, in einem Brief seinen missglückten Vergleich zu erläutern.
Nun hätte ein erfahrener Medienberater dem Herrn Sinn schon im Vorfeld ein "Lass es lieber, das gibt nur Ärger" ins Ohr geraunt. Aber der Ifo-Chef scheint weder einen solchen Medienberater noch einen kompetenten Berater beim Thema Barttracht zu haben.

Nachdem nun also festgestellt werden kann, dass der Vergleich "Sinn"-los war, weil er eindeutig an einer geschmacklichen Klippe wandelte, zu viele Konnotationen hatte und schlicht die Gesetze bundesdeutscher (Medien)-Befindlichkeit negierte, muss dennoch ein Blick auf den Inhalt der Aussage geworfen werden.

Und in dieser Hinsicht drängt sich tatsächlich der Verdacht auf, dass die gute alte israelitische Institution des Sündenbocks auch heute noch bestens funktioniert.

Das psychologische Drehbuch der Finanzkrise hat die Eindeutigkeit eines B-Movies.
Hier steht der kleine Mann, der Steuerzahler, der wieder für alles bluten und zahlen muss. Und dort, wo sich die Schatten lagern, lauern die Bankmanager, die menschlichen Heuschrecken, die Gierhälse in Nadelstreifen, die alles verbockt haben.
Politiker, die manchmal tatsächlich eine Witterung für Volkes Stimmung haben, hauen in dieselbe Kerbe. Wenn ein Herr Ackermann sagt, er würde sich schämen, wenn sein Institut Staatsgelder in Anspruch nehmen würde, dann bekommt er deftige Prügel aus Berlin. Fast bekommt man Mitleid mit den Politakteuren, weil die sich über diesen Schweizer Reservehauptmann so ärgern müssen.
Dass Herr Ackermann lediglich meinte, er würde als Leiter der Deutschen Bank schlechte Arbeit geleistet haben, wenn seine Bank Staatsspritzen brauchte, ging in dem medialen Rummel unter.

Kreatives Missverstehen ist eine der ersten Lektionen, die deutsche Politprofis lernen.
Dazu kommen Bankchefs, die tatsächlich öffentlich ungeschickt agieren und Medien, die Stimmung machen. Aber haben die Politiker, in Aufsichtsräten reichlichst vertreten, auf die Bremse getreten, als die Rendite noch kräftig sprudelte?
Wo haben sich die Rating-Agenturen versteckt, die risikoreiche Finanzkonstrukte als sicher bewerteten?
Oder, und diese Frage ist gemein, hat der "kleine Mann", in den USA und sonstwo wirklich geglaubt, er brauchte seine Kredite nie zurückzahlen?

Die Finanzkrise wirbelt die Wirtschaftswelt durcheinander.
Beruhigend, dass es wenigstens noch menschliche Konstanten beim Fingerzeigen auf andere gibt.

Auf www.wiwo.de kann man nachlesen, welche Probleme Hedgefonds-Manager zur Zeit haben, www.welt.de/finanzen hat ein etwas älteres, dennoch interessantes Interview mit einem Investmentspezialisten und schließlich bietet www.goldseiten.de ein wenig Nachhilfe in Finanzlehre.